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Gehörlose Tiere

Wenn wir weiße Katzen bekommen, wird als erstes getestet, ob dieses Tier hören kann, oder ob es vielleicht schwerhörig ist. Bei Hunden, die fast weiss sind, vielleicht nur ein paar dunkle Punkte haben, besteht diese Gefahr natürlich ebenso. Die Tatsache, dass Tiere mit weissem Fell vermehrt von Taubheit betroffen sind, ist hinlänglich bekannt.

Ein sensorineuraler Hörverlust ist meistens die Folge einer angeborenen oder vererbten Erkrankung des Innenohrs und tritt in der Regel bereits beim Welpen in Erscheinung. Gesunde Jungtiere hören ungefähr ab der zweiten Lebenswoche, wenn sich der Gehörgang geöffnet hat und so lässt sich eine Taubheit auch bereits in frühem Alter erkennen. Zahlreiche Rassen wie der English Setter, Bull Terrier, Jack Russell Terrier, Dogo Argentino oder Australian Cattle Dog, um nur einige zu nennen, sind von der erblichen Form der sensorineuralen Taubheit betroffen.

Hörverluste durch sensorineurale Ursachen sind in der Regel endgültig, da einmal zerstörte Sinneszellen bei Säugetieren nicht regenerationsfähig sind.

Die Ursache für diese Form von Taubheit liegt in einer Degeneration von Anteilen des Innenohrs. Beim Gesunden ist einer der hauptsächlich betroffenen Innenohranteile, das so genannte Corti-Organ, mit einem Rasen von Haarzellen besetzt . Diese haarähnlichen Fortsätze dienen der Aufnahme und Verarbeitung von akustischen Reizen. Im Gefolge von komplexen Mechanismen, bei denen Pigmentzellen (Melanozyten) eine Rolle spielen, degenerieren diese Zellen und werden zerstört. Damit fehlen dem Hund die „Antennen", um Geräusche aufzufangen und an das Gehirn weiterzuleiten. Es gilt als gesichert, dass die Ursache der Innenohrdegeneration erblicher Art ist. Es scheint, dass die Melanozyten, die für die dunkle Pigmentierung bei weissen Hunden mit dem so genannten Piebald-Gen verantwortlich sind (z. B. Dalmatiner, Bull Terrier, Pyrenäen Berghund) auch für eine normale Entwicklung des Innenohrs eine Rolle spielen. Bei diesen Hunden tritt auch ab und zu ein Auge mit blauer Iris (Birkauge) auf und es ist eine Tatsache, dass Hunde mit blauen Augen dieser Rassen mit grosser Wahrscheinlichkeit ein- oder beidseitig taub sind. Auf der anderen Seite gibt es unter den Dalmatinern auch Individuen mit einem bereits bei Geburt sichtbaren schwarzen oder braunen Fleck (so genannter Patch). Normalerweise kommen Dalmatinerwelpen ja gänzlich ohne Flecken zur Welt. Diese Hunde mit Patch – obwohl zur Zucht unerwünscht – sind kaum einmal von Taubheit betroffen.

Ein weiteres Pigmentations-Gen, das mit Taubheit verbunden sein kann, ist der Merle-Faktor (z. B. Bobtail, harlekinfarbene Doggen, Shelties und andere Rassen mit Merle-Färbung). Hier können sowohl vollständig taube als auch schwerhörige Tiere vorkommen, wobei das Risiko für einen Hördefekt mit zunehmendem Weissanteil in der Fellfarbe und Verpaarung von Merle-Merle-Eltern steigt.

Das Hauptproblem bei der Taubheit liegt in ihrer Erblichkeit. Aufgrund dem Ruf nach gesünderen Hunderassen und speziell der Diskussion um die so genannten Qualzuchten, wurde in den letzten Jahren auch dem Hörvermögen des Hundes vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt und es folgten konsequenterweise Forderungen nach verbesserten diagnostischen und züchterischen Massnahmen, um das Problem von vererbter Schwerhörigkeit und Taubheit in den Griff zu bekommen.

Das Paradebeispiel für eine Hunderasse mit vererbter Taubheit ist der Dalmatiner. Dies liegt einerseits sicher an der Häufigkeit von ein- und beidseitig tauben Dalmatinern, die in Populationen ohne entsprechende Massnahmen über 20 % liegen kann. Andererseits haben gerade die Dalmatinerclubs eine führende Rolle in der Bekämpfung dieses Problems eingenommen und nicht versucht, das Problem zu verschweigen. Vor allem dieser Hunderasse ist ein Grossteil des heutigen Wissens über die so genannte sensorineurale Taubheit zu verdanken.

Das Hundegehör ist im Vergleich zu anderen Spezies ausserordentlich leistungsfähig und es reicht in einen viel höheren Frequenzbereich als beim Menschen. Hunde sind ausgesprochene „Sinnestiere" und stehen über ihre Ohren, Augen, und die Nase in ständiger Wechselbeziehung mit ihrer Umgebung. Bei Ausfall einer dieser Sinne genügen in der Regel die verbleibenden, um dem Hund die zum Leben nötigen Information von aussen zu vermitteln.

Die meisten, die ihre Hunde nicht ausschließlich per Stimme erziehen, haben wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht, dass der Hund überraschenderweise sehr viel schneller mit Handzeichen und Körpersprache lernt als mit Kommandos. Dies liegt daran, dass Hunde unter sich hauptsächlich mit Körpersprache kommunizieren. Aus diesem Grund haben taube Hunde oftmals keinerlei Probleme, ihre Artgenossen zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren. Wir Menschen sind viel eher diejenigen, die so viel Wert auf Sprache und Stimme legen.

Gehörlose Hunde werden häufig eingeschläfert, da sie kaum zu vermitteln sind. Dazu besteht aber überhaupt kein Grund, die Erfahrung zeigt, dass sich Hunde mit zumutbarem Aufwand auf Handsignale trainieren oder mit Hilfe von blinkenden Taschenlampen leiten lassen. Wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Führen eines tauben Hundes ist die Fähigkeit, Sicherheit zu vermitteln sowie der Wille und die Ausdauer des Besitzers, diesen Zusatzaufwand auf sich zu nehmen. Trotz Bedenken von vielen Hundehaltern sind die Lebensqualität und das Wohlbefinden von tauben Hunden kaum eingeschränkt. Sie haben insbesondere keine reduzierten mentalen Kapazitäten. Das Gehirn reagiert auf den Verlust eines Sinnes mit einer plastischen Veränderung, also durch einen Umbau seiner Struktur.

Grundsätzlich sind gehörlose Hunde als Zweithund leichter zu führen, als wenn man ein Einzeltier hat. Ein souveräner Hund, der sich schon im Haushalt befindet, kann dem zweiten Hund viele Dinge besser übermitteln, als der Mensch es kann.

Für die Erziehung sollte man sich Informationen von Besitzern gehörloser Hunde holen. Am besten, bevor man sich ein solches Tier anschafft!

Erziehungstipps von Dr. med. vet. Frank Steffen, Dipl. ECVN:

Als Welpe ist der Hund am besten in der Lage, geprägt zu werden und eine feste Bindung zu seinem "Rudel" aufzunehmen. Unerwünschtes Verhalten sollten Sie von Anfang an unterbinden, erwünschtes Loben und Fördern. Die z. Zt. beliebte Praxis, unerwünschtes Verhalten schlichtweg zu ignorieren, führt allein nicht zum Erfolg, denn woher soll Ihr Hund wissen, was er darf und was nicht, wenn es ihm nie gesagt wurde? Aktives Ignorieren des Hundes (Sie entfernen sich z. B. von ihm) im richtigen Moment führt zu beachtlichen Erfolgen, ein einfaches Zuschauen (= passives Ignorieren) bei seinen Schandtaten bestätigt ihn in seiner Meinung, etwas richtiges zu tun.

Bei tauben Hunden sollten sie von Anfang an Wert darauf legen, dass Ihr Hund nur dann bellt, wenn es einen Grund gibt, zum Beispiel, wenn jemand an der Haustür ist. Ein leichtes Umfassen der Schnauze mit dem Zeichen für "Nein!" und gleichzeitiges Aussprechen des Befehls lassen den Hund schnell begreifen, was Sie wollen.

Sprechen Sie immer die Befehle auch aus, der Hund achtet stark auf Ihre Mimik! Er kann auch ganz leicht unterscheiden, ob Sie es gerade ernst meinen oder nicht.Sie sollten unbedingt bei jeder Gelegenheit den Hund unvermittelt anstupsen und wecken, überall berühren und dabei viel loben und anlächeln und mit ihm kuscheln, damit er Berührungen und Aufwecken mit etwas positivem verbindet und er nicht einmal unvermittelt falsch reagiert

Lassen Sie den Kleinen schon als Welpen ganz viel kennen lernen, vor allem Kinder (nur in Ihrem Beisein! - Kinder reagieren nicht immer richtig und prägen den Hund dann evtl. völlig falsch) und auch größere Menschenmengen, kleinere Partys o. ä. eignen sich hervorragend, es sind viele liebe Menschen da und den (tauben!) Hund stört die Musik bestimmt nicht!

Sparen Sie nicht an Belohnungen, vor allem, wenn der Hund zu Ihnen kommt. Machen Sie sich attraktiv für den Hund! Wenn es sich nicht "lohnt" zu Ihnen zu kommen, wird er vielleicht einmal eine Hasenfährte oder einen anderen Hund vorziehen, wenn Sie nach ihm winken...

Lassen Sie ihn unbedingt schon als Welpe (in geeignetem Gelände) auch von der Leine, er muss lernen, sich mit den Gefahren der Welt zurechtzufinden, mit anderen Hunden zu spielen und Sozialverhalten zu erlernen.

Gut bewährt hat sich eine auf 8m ausziehbare Leine, als Welpe fühlt sich der Hund völlig unabhängig und frei, und auch dem erwachsenen Hund bietet sie die Möglichkeit, mit anderen Hunden zu spielen, während der Besitzer jederzeit eingreifen kann. In der Nähe von Straßen oder in Gebieten, wo Sie den Hund anleinen müssen, hat er mit einer Ausziehleine noch immer maximale Freiheiten und Sie können unabhängig von seinen Schnüffeleien gleichmäßig spazieren gehen, ohne ständig anhalten zu müssen.

Achten Sie unbedingt darauf, dass jede Bezugsperson die gleichen Zeichen anwendet (Spickzettel), damit der Hund nicht verwirrt wird! Es gibt keine "speziellen" Zeichen für taube Hunde, wenden Sie Ihren Erfindungsgeist an oder richten Sie sich nach dem Hundesport, den Sie betreiben, im Agility wird z. B. viel mit Handzeichen gearbeitet.

Gabi Lampe

   

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