Missstand in Melle: Hund lebte auf Balkon
03.02.2009
Das Elend vergessener, gequälter Kreaturen ist seit längerer Zeit schon Thema in vielen Fernsehsendungen und Zeitungsberichten. Man sieht, hört und liest schreckliche Dinge. Häufig aus südeuropäischen Ländern und schüttelt so manches mal entsetzt den Kopf und fragt sich, wie Menschen nur so mit den Tieren umgehen können. Leider ist es aber eine traurige Tatsache, dass solche Zustände auch in unserer unmittelbaren Umgebung in Melle vorkommen. Auf einen sehr unschönen Fall von schlechter Haltung wurden wir in der letzten Woche aufmerksam gemacht.
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Jessy (wie wir sie genannt haben) heißt dieses Bündel Elend. Eigentlich sollte sie eine quirlige Pudelmischlingsdame sein. Erkennen kann man davon im Moment nur wenig. Wir haben sie von einem jungen Mann übernommen, der seiner eigenen Aussage nach nicht das Geld hat, mit ihr zum Tierarzt zu gehen. Wenn er sie regelmäßig gepflegt hätte, wäre der Besuch beim Tierarzt auch nicht nötig gewesen. Zuwendung und Pflege benötigen kein Geld. Zeit hätte er sicher gehabt, da er als Arbeitssuchender die meiste Zeit zu Hause ist. Dieser junge Mann lebt mit seinem Vater zusammen und der hält sowieso nichts von Hunden, die in der Wohnung leben. Seiner Meinung nach gehören Hunde nach draußen an die Kette.
Jessy ist ca. 9,5 Jahre alt und im Alter von 6 Wochen aus Russland zusammen mit ihrem Besitzer nach Deutschland gekommen. Das war wohl auch das letzte Mal, dass sie einen Tierarzt zu sehen bekommen hat, denn zu diesem Zeitpunkt erhielt sie ihre letzte Impfung!
Die kleine Pudeldame wurde bei Wind und Wetter die meiste Zeit auf einem kleinen Balkon gehalten. Egal, wie kalt es war. Kein schützender, wärmender Unterschlupf. Einfach nur ein Balkon, wenig menschliche Zuneigung. Und das über Jahre. Ein sehr trauriges Hundeleben.
Gott sei Dank konnte irgendwann ein mitfühlender Mensch das nicht mehr mit ansehen und
bat um Hilfe. Wie lange Jessy nun genau schon so gelebt hat? Wir wissen es nicht. Ihr Besitzer schweigt dazu und wollte sie eigentlich gar nicht abgeben. Nachdem wir ihm eindringlich ins Gewissen geredet haben und mit dem Ordnungsamt bzw. dem Veterinär drohten, gab er dann nach. Ein echtes Unrechtsbewusstsein konnten wir bei ihm aber nicht ausmachen - „Es ist doch nur ein Hund" stand unausgesprochen in seinem Gesicht geschrieben.
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Nachdem wir Jessy in unsere Obhut genommen haben, stellten wir fest, dass sie von unzähligen Flöhen arg zugerichtet worden war. Die an vielen Stellen ausgefallenen Haare ihres Fellkleides zeigen auf ihrer Haut ein umfangreiches Flohekzem. Äußere Hautschichten sind gerötet, teilweise entzündet. Ihre Augen tränen, da das Fell, dass ihr bis tief in die Augen hinein hängt, die Netzhaut reizt. Sie kann sehr schlecht sehen, ihre Linsen sind getrübt. Beim Tierarzt wollen wir in den nächsten Tagen untersuchen lassen, ob sich daran etwas ändern lässt, denn für einen altersbedingten Verlust ihrer Sehkraft ist sie eigentlich noch ein wenig zu jung.
Als eine der ersten Maßnahmen wird Jessy jetzt zunächst einmal gründlich entfloht, geschoren, gereinigt, behandelt und geimpft. In ein oder zwei Wochen wird sie sicher schon wieder ganz anders aussehen. Wenn sie sich erholt hat, suchen wir ein schönes, neues Zuhause. Vor allen Dingen ein warmes Zuhause. Hier soll sie dann die menschliche Zuwendung bekommen, auf die sie in den vergangenen Jahren leider jeden Tag gewartet hat.
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Wir werden über die weitere Entwicklung an dieser Stelle berichten.
Melle, 05.02.2009
Jessy ist mittlerweile geschoren und vollständig entfloht. Langsam fasst Sie auch Vertrauen zu ihren Pflegemenschen. Ihre provisorische Unterbringung hat Jessy nun schon intensiv erkundet und erstaunlich schnell werden auch ihre Lebensgeister wieder geweckt. Jessy entpuppt sich nach den ersten Tagen der Eingewöhnung als äußerst schmusebedürftig und nimmt jede Art von Streicheleinheiten überaus dankbar an. Ihr Allgemeinzustand wird von Tag zu Tag besser. Wir haben auch den Eindruck, dass sie etwas besser sehen kann. Die Augen werden wir in den nächsten Tagen von einem Tierarzt untersuchen lassen.

Jessy und ihr neuer Freund...
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