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Kleine Tiere, großes Leid

Während bei Hunden und Katzen in punkto artgerechter Haltung so ganz allmählich ein Umdenken stattfindet, macht sich bei der Haltung von Nagern und Vögeln noch niemand so wirklich Gedanken über artgerechte Haltung.

Da werden in namhaften Fachgeschäften Käfige verkauft, die viel zu klein sind. Aber wenn sie dort verkauft werden, muss das doch in Ordnung sein, oder??

Dabei wissen die meisten nicht einmal, wie sie ein Meerschweinchen oder ein Zwergkaninchen wirklich artgerecht halten müssen. Vielleicht, weil es sie nicht wirklich interessiert? Wie soll sich ein Meerschweinchen schon wehren? Vielleicht beißen oder kratzen? Nein – es muss dieses, meist erbärmliche, Leben einfach so ertragen, wie der Mensch es ihm erlaubt. In den Zoogeschäften gibt es zur selten kompetenten Beratung, die viel zu kleinen Käfige werden gleich mitgeliefert. Die artgerechten Käfige wären ja viel zu groß, sind meistens nicht dekorativ und natürlich auch viel zu teuer.

Erst letzte Woche rief Abends um 22:00 ein junger Mann an und erzählte mir, dass seine beiden Meerschweinchen sich ernsthaft seit ein paar Tagen beißen würden. Ich verkniff mir den Hinweis auf die späte Stunde und erfuhr, dass er die beiden Tiere aus einem Zoogeschäft bekommen habe. Schon während des Telefonates wurde klar, dass dieser junge Mann geistig bestimmt nicht in der Lage war, die Verantwortung für die Versorgung von Tieren zu übernehmen. Ich versuchte ihn davon zu überzeugen, dass er die beiden Meerschweinchen doch besser abgeben sollte. Davon wollte er nichts wissen, allerdings lies er sich überzeugen, dass er die Tiere nicht beide behalten konnte. Er wollte am nächsten Tag eines der beiden Meerschweinchen bringen. Am darauffolgenden Tag kam er mit einer kleinen Transportbox, gedacht für einen Hamster, ich war erschrocken, dass er darin das Meerschweinchen transportierte, aber nachdem ich hineingesehen hatte, musste ich feststellen, das Meerschweinchen war nicht größer als ein Goldhamster. Immer wieder werden Meerschweinchen viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, aus einem Rudel herausgerissen. Diese kleinen Tiere, die schon so „fertig" auf die Welt kommen, sind einfach niedlich, können ja auch schon alleine fressen. Deshalb können sie aber noch lange nicht von dem Muttertier getrennt werden. Außerdem sind sie viel zu verletzlich, als dass sie als Kinderspielzeug dienen sollten. Schnell drücken Kinderhände zu fest zu und schon sind die kleinen Rippen gebrochen. Mir tat das kleine Schweinchen zwar leid, so alleine, aber wenigsten ein Tier konnte ich aus dieser Haltung befreien – dachte ich. Ich hatte dem jungen Mann gezeigt, wie die Meerschweinchen bei uns gehalten werden: in einer großen Voliere mit einem ebenso großen Schutzraum, vielen Versteckmöglichkeiten, Häusern mit Stroh und viel Gemüse zum Knabbern. Ich sagte ihm, dass kein Tier sein Leben gerne in einem Käfig verbringen möchte, dass sei, wie ein Leben in Einzelhaft. Anscheinend hatte das doch einen gewissen Eindruck hinterlassen, denn am nächsten Abend brachte er mir das zweite Tier ebenfalls vorbei. Dieses Tier war genauso klein, hatte Pilz und muss ebenso wie sein Kollege erst lernen dass es nicht nur Trockenfutter gibt. Ich hoffe, dass der junge Mann sein Versprechen hält und sich keine neuen Tiere anschafft. Das wäre etwas einfacher, wenn Zoogeschäfte etwas mehr darauf achten würden, an wen sie ihre Tiere abgeben. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, es gibt auch Geschäfte mit geschultem Personal, welche die Käufer vernünftig beraten. Allerdings herrscht auch dort natürlich ein gewisser Leistungs/Verkaufsdruck. Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn Menschen mit geistigem Handicap sich ein Tier wünschen, das kann auch durchaus funktionieren, wenn Betreuer bereit sind das zu unterstützen und beratend tätig zu werden. Allerdings bekommen wir häufig Tiere von Menschen, die in Betreuung sind und es einfach nicht funktioniert, dass die Tiere vernünftig gehalten werden.

Den meisten Menschen werden Vögel oder Nager nach gewisser Zeit langweilig. Dabei kann man gerade bei den Kleintieren die Haltung so variieren und ständig verändern, dass nicht nur das Tier eine besserer Lebensqualität hat, sondern es auch dem Besitzer Spaß macht sich regelmäßig mit seinem Haustier zu beschäftigen. Bei jeder Tierart gibt es Besonderheiten bei der Haltung, die es zu beachten gibt. Wenn wir schon Tiere zu unserem Vergnügen halten müssen, sollten wir wenigstens alles tun, um ihnen ein lebenswertes Leben zu bieten.

Deshalb sollte man sich vorher genau überlegen, welche Erwartungen man hat und welches Tier in das eigene Umfeld passt. Jede Tierart hat eigene Ansprüche und wenn man nicht bereit ist, diese zu erfüllen, sollte man tunlichst die Finger davon lassen. Eine gründliche Information über artgerechte Haltung - vor Anschaffung des Tieres, sollte ebenso selbstverständlich sein, wie die Kalkulation der Kosten für die Tierhaltung. Bei der Überlegung zur Anschaffung eines Tieres sollten nicht nur Anschaffungskosten , sondern besonders die Tierhaltungskosten berücksichtigt werden.

Ein Problem bei der Paarweisen Haltung oder der Haltung in Gruppen ist die Kastration. Sinnvoll ist natürlich, die männlichen Tiere kastrieren zu lassen. Doch die Kosten der Kastration übersteigen um ein Vieles die Anschaffungskosten. Wer ist schon bereit, für die Kastration eines Meerschweinchenbockes zwischen 25 € und 35 € zu bezahlen? Die Tierärzte begründen diese hohen Kosten unter anderem mit der Tatsache, dass unter mikroskopischen Bedingungen operiert werden muss.

Wer also diese Kosten scheut, sollte lieber Abstand von dem Gedanken nehmen, sich ein Tier anschaffen zu wollen.

Räumliche Enge, Reizarmut und Mangel an Beschäftigung , insbesondere im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme führt bei Käfighaltung zur Ausprägung verschiedener Verhaltens-störungen. „Gitternagen" bei Goldhamstern und Kaninchen sind Ausdruck einer chronisch überforderten Verhaltenssteuerung und damit ein Hinweis auf nicht tiergerechte Haltungs-bedingungen.

Auch bei den Kleinen gilt: lieber genau überlegen, Tiere nicht in großen Mengen, sondern in großen Käfigen halten.

Gabi Lampe

   

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